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Website-Relaunch: Was passiert, bevor der Code beginnt

Ein Beitrag von:
Norbert Koza

Inhalt

Website-Relaunch: Was alles passiert, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird

Ich beobachte aktuell viele Diskussionen, vor allem im amerikanischen Social Media, rund um das Thema: KI erstellt dir in zehn Minuten eine Website. Auch wir hinterfragen, beobachten und testen viel von dem, was heute möglich ist. Und für manche Unternehmen wird eine solche Lösung heute tatsächlich die bessere Wahl sein als ein günstiger Baukasten – vorausgesetzt, man beschäftigt sich selbst damit.

In diesem Artikel möchte ich das CMS-Thema und die Programmierung aber bewusst ausklammern und einmal Revue passieren lassen, was die echte Arbeit hinter einem Website-Relaunch bedeutet.

Ein Beispiel aus dem eigenen Haus, mit einem großen Aber: Wir haben unsere eigene Website erst kürzlich live gestellt, und der Relaunch hat von 2024 bis 2026 gedauert. Das ist allerdings kein fairer Vergleich – Kundenprojekte haben bei uns immer Vorrang, an der eigenen Seite haben wir nur gearbeitet, wenn es Nacht war oder gerade Luft. Eine Sidequest also. Ein echtes Kundenprojekt dauert bei uns je nach Umfang zwei bis acht Monate.

Phase 1: Strategische Ausrichtung, Inhalte und Ziele

Dieses fundamentale Thema würde ich nur ungern an eine KI auslagern – schon aus einem logischen Grund: Wenn tausend Agenturen das machen, bekommen tausend Agenturen dasselbe Ergebnis. Für manche mag das besser sein als das, was sie selbst hinbekommen. Als Spezialist landet man damit aber zwangsläufig im Mittelfeld.

Dieser Prozess braucht Zeit, er braucht Erfahrung – und fast noch wichtiger: ein Gefühl dafür, was 2027 und 2028 im Markt der Kunden das Thema sein wird. Wie fühlt sich die Marke an? Wie fühlt sich die Website an? Was holt die Kunden in Zukunft ab, und wo setzen wir neue Maßstäbe? Dazu kommt die Marktfrage: Vieles ist in den USA früher da und wirkt hipper – man sieht es auf Dribbble oder Behance – aber nicht alles passt zu einem Markt wie Deutschland, Polen oder UK.

Diese Expertise sollte aus unserer Sicht beim Menschen bleiben, zumindest wenn man sich nachhaltig von der Konkurrenz absetzen will. Und ich glaube, das wird in ein bis zwei Jahren noch wichtiger als heute. Denn wenn wir uns Neukundenanfragen ansehen, sind das oft zehn Jahre alte Seiten – so viele Unternehmen haben ihren Auftritt eben noch nicht mit KI umgebaut.

Phase 2: Design und Branding

Auch hier bitte nicht falsch verstehen: In professionellen Händen leistet KI saubere, gute Arbeit. Aber eben sauberes Mittelmaß, und das ist erkennbar. Es gibt inzwischen sehr viele Websites, Plakate, Poster und Flyer, die von den Communities sofort als KI-Arbeit erkannt werden – und Werbung, die dafür in Social Media viel Häme erfährt. Zum Teil zurecht: Wenn wenig Zeit investiert wurde, fühlen sich Betrachterinnen und Betrachter schlicht betrogen.

Deshalb meine Empfehlung: Das Branding, die Kernelemente, das was eure Unternehmens-DNA ausmacht, individuell konzipieren und gestalten – mit einer professionellen Agentur. Die Zukunft liegt vermutlich in der Kombination: Die Idee und das Gestaltungssystem in Menschenhand, die Adaption auf hunderte Seiten und Breakpoints dann effizient mit KI-Unterstützung. Alles, wo es keine Rolle spielt, ob ein Mensch es handgemacht hat, darf effizient entstehen. Was eure Marke ausmacht, nicht.

Phase 3: Content – Texte, Bilder, Menschen

Heute ist es verlockend, ChatGPT oder Claude einmal zu briefen und in Sekunden Texte für die ganze Website zu bekommen, die man ins CMS kopiert. Man kann die KI sogar bitten, die Inhalte zu optimieren und auf Platz eins zu ranken – sie wird es versuchen. Das Ergebnis ist Einheitsbrei. Man sieht es auf LinkedIn und auf Websites: überall die gleichen Inhalte. Und die Frage bleibt: Wenn tausend Unternehmen tausendmal dasselbe behaupten und tausendmal gleich aussehen – wie willst du damit hervorstechen? Beim Ranking ohnehin: Es können nicht alle auf Platz eins stehen.

Ironischerweise sehen wir gerade bei SEO-Empfehlungen massive Probleme mit KI-Vorschlägen. Da werden grobe Fehler gemacht, und man darf sich darauf nicht blind verlassen.

Zum Content gehören auch Bilder und Videos. Und versteht uns nicht falsch: Wir arbeiten seit Jahren professionell mit KI-Bildgenerierung und legen extrem großen Wert auf Art Direction – wir kennen uns mit Fotografie aus, können Szenen modellieren und erzielen damit sehr gute Ergebnisse. Unsere Haltung ist trotzdem klar: Wo ein individuelles Shooting möglich ist, ist es die erste Wahl. KI-Bildwelten sind die Option, wenn Budget, Location oder Machbarkeit ein Shooting nicht hergeben – und dann kuratiert, nicht generiert.

Gerade bei B2B-Unternehmen gilt das doppelt: Verkauft wird nicht nur über die Leistung, sondern über die Menschen dahinter. Ich möchte die echten Menschen sehen, das echte Büro. Authentizität wird 2027 und danach noch viel wichtiger als heute. Deshalb: mit Fotografinnen, Fotografen und Videografen arbeiten, die kreative Ansätze liefern – auch das ein Puzzlestück Richtung individuell und authentisch.

Phase 4: Die Systemfrage – welches CMS passt?

Es gibt keine allgemein beste Lösung, nur eine, die zum Projekt passt. Die Kriterien, nach denen wir entscheiden:

Wer pflegt die Seite?

Arbeiten mehrere Personen im System, braucht es feste Muster und definierte Felder – sonst läuft das Design nach wenigen Monaten auseinander. Bei einer Person oder Agenturpflege ist mehr Freiheit vertretbar.

Wie komplex sind die Inhalte?

Mehrsprachigkeit, Freigabeprozesse, große Datenmengen oder eigene Logik hinter einem Login sprechen für ein individuell entwickeltes System.

Wie hoch sind die Performance-Anforderungen?

Baukasten-Lösungen schleppen viel Code mit und stoßen schnell an Grenzen.

Braucht es wirklich Headless? ‍

Headless ist mächtig, wenn Inhalte in mehrere Kanäle ausgespielt werden – bei einem unserer Projekte am Flughafen München bis auf die Terminal-Screens. Für ein Team, das einfach Inhalte pflegen will, kann es dagegen ein teurer Fehler sein: Bei Rock Tech Lithium haben wir genau das erlebt: Die Website lief auf einem Headless-System auf Strapi-Basis, mit dem das Team im Alltag kaum arbeiten konnte – wir sind auf ein individuell entwickeltes WordPress gewechselt.

Genau diese Entscheidung nimmt einem ein KI-Baukasten ab, ohne zu fragen. Drei Jahre später steht man mit der falschen Basis da.

Phase 5: Sichtbarkeit – SEO, GEO oder Paid?

Bestehende Rankings müssen sauber identifiziert und übernommen werden – mit Weiterleitungen und einer vollständigen URL-Karte. Und dann geht es um strategische Entscheidungen: Wo kommen qualifizierte Leads her? Wie und wo will man sich positionieren? Wie erreicht die neue Seite nachhaltig die richtigen Personen, auch in KI-Suchsystemen?

Das hat große Auswirkungen darauf, wie eine Website strukturiert und aufgebaut wird – im Seitenaufbau, im Design und letztlich im Content. Wer diese Fragen erst nach dem Launch stellt, baut zweimal.

Datenschutz und Barrierefreiheit

Seit dem 28. Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz viele Unternehmen zu barrierefreien digitalen Angeboten. Maßstab sind die WCAG-Kriterien in Stufe AA: Kontraste, Tastaturbedienbarkeit, saubere Semantik, Alternativtexte. Das lässt sich nachrüsten, aber deutlich aufwendiger als es einzubauen – deshalb gehört es in die Design- und Systemphase, nicht ans Projektende.

Beim Datenschutz gilt dasselbe: Hosting-Standort, Auftragsverarbeitung, Einwilligungslösung, eingebundene Dienste und Schriften. Wer das früh klärt, spart sich Umbauten kurz vor dem Go-Live. Die juristische Seite entsteht dabei Hand in Hand mit der Rechtsabteilung oder den Beauftragten des Unternehmens – wir liefern Technik und Umsetzung.

Wie lange dauert welche Phase?

Die Spanne von zwei bis acht Monaten hängt vor allem am Umfang: Seitenzahl, Sprachen, Funktionen und daran, wie schnell Inhalte und Freigaben kommen. Als Orientierung ein mittleres Projekt mit rund sechs Monaten Laufzeit:

Die Phasen laufen nicht strikt nacheinander – vor allem Content beginnt früh und zieht sich durch. Und der größte Zeitfaktor sind selten wir, sondern Inhalte und Freigaben auf Kundenseite. Deshalb planen wir beides von Anfang an mit ein, statt es hinten anzuhängen.

Warum das alles wichtiger ist als früher

All diese Schritte erfolgen, bevor eine Zeile Code geschrieben wurde. Und sie sind wichtiger denn je. Früher konnte man Google mit kleinen Tricks austricksen; heute ist es eher die Bequemlichkeit, sich schnell alle vermeintlichen SEO-Texte von einer KI erstellen zu lassen.

Nochmal der Disclaimer: Für eine veraltete, schlechte Website kann eine mittelmäßige neue Version durchaus ein großer Fortschritt sein. Für Unternehmen mit tausenden Besuchern, gewachsener Struktur und echten Zielen wird das kaum für nachhaltiges Wachstum sorgen.

Und eine Frage sollte man sich als Autor auch selbst stellen: Warum sollte jemand fünf bis zehn Minuten investieren, um einen Artikel wie diesen zu lesen, wenn er in drei Sekunden von einer KI erstellt wurde – ohne persönliche Erfahrungen, ohne Haltung?

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Website-Relaunch?

Je nach Umfang zwei bis acht Monate von Kickoff bis Go-Live. Ein kompakter Auftritt ist schneller fertig, ein mehrsprachiges Projekt mit eigener Funktionslogik braucht länger. Der größte Zeitfaktor sind dabei selten wir, sondern Inhalte und Freigaben auf Kundenseite.

Was dauert am längsten?

Erfahrungsgemäß der Content. Texte, Bilder und Freigaben brauchen mehr Zeit, als die meisten einplanen – deshalb starten wir damit so früh wie möglich, parallel zum Design.

Kann KI den Prozess beschleunigen?

In Teilen ja: bei der Adaption von Designs auf viele Seiten und Breakpoints, in der Entwicklung und bei der Bildproduktion, wenn ein Shooting nicht möglich ist. Bei Strategie, Konzeption und Markenentwicklung nicht – dort entsteht das, was eine Website unterscheidbar macht.

Muss ich das CMS wechseln?

Nicht zwingend. Die Systemfrage entscheidet sich an Redaktionsgröße, Komplexität der Inhalte und Performance-Anforderungen – nicht an Trends.

Verliere ich beim Relaunch meine Rankings?

Nicht, wenn alle bestehenden URLs erfasst und sauber weitergeleitet werden. Ein temporäres Schwanken in den ersten Wochen ist normal, ein dauerhafter Einbruch nicht.

Weißt du nicht, was alles vor der ersten Zeile Code passiert – und brauchst professionelle Hilfe für deinen Relaunch?

Lerne uns kennen, teile deine Vision – und wir zeigen dir, wie wir Strategie, Branding und Content so aufbauen, dass eure Website sich abhebt statt im KI-Einheitsbrei unterzugehen.

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